Rahmenplan Innenstadt
    Bergheim

    In Zusammenarbeit mit

    Heinz Jahnen Pflüger Stadtplaner und Architekten Partnerschaft

    Auslober

    Kreisstadt Bergheim

    Art des Verfahrens

    Werkstattverfahren

    Platzierung

    2. Preis

    2. Preis im Rahmen des Werkstattverfahrens „Stadtmauer InSzene“ in der Kreisstadt Bergheim für unser Konzept eines übergeordneten stdätebaulich-freiraumplanerischen Rahmenplans zur Gestaltung der öffentlichen Räume in der Altstadt und der Vertiefung im Bereich des Rosengartens „Südwestliche Stadtmauer“.

    Die Betrachtung des übergeordneten Gesamtkonzeptes beginnt, aufbauend auf der Analyse, mit den grundsätzlichen Überlegungen zur städtebaulichen Aufwertung von Brachflächen und ungenutzten Potentialen im Stadtgebiet. Dies geschieht aus der Überzeugung heraus, dass die vorhandenen Stadträume in der Altstadt nur dann quailitätvoll aufgewertet und „in Szene“ gesetzt werden können, wenn die angrenzenden Flächen ebenfalls eine Weiterentwicklung erfahren und ein sinnhaftes Gegenüber entsteht. Die vorhandenen Freiräume entlang der Stadtmauer und im rückwärtigen Bereich der Fußgängerzone sind geprägt von einem heterogenen Hinterhofcharakter mit Parkplätzen, Zaunanlagen und fehlenden Raumkanten. Im Kontrast zur starken, städtebaulich prägnanten Fußgängerzone, führt dies an den Rändern der Altstadt unweigerlich zu unscharfen Raumdefinitionen. Eine reine Aufwertung der Freiräume, ohne Einbeziehungen der städtebaulichen Bezüge führt aus Sicht des Entwurfsverfassers nicht zu einer nachhaltigen stadträumlichen Qualitätssicherung.

    „Rückseiten zu
    Vorderseiten
    entwickeln“

    Städtebaulich-freiraumplanerischer Rahmenplan Innenstadt Bergheim
    Städtebaulich-freiraumplanerisches Konzept für die Altstadt

    Ausformulierte städtebauliche Intervention zur Schaffung von Plätzen und Qualitäten durch die Schließung von Baulücken, Rückseiten und Brachflächen.

    Aus diesem Grund wurde in einem ersten Schritt ein Konzept auf städtebaulicher Ebene entwickelt, welches zunächst wichtige Raumkanten definiert und Flächen inhaltlich neu besetzt. Das grundsätzliche Ziel besteht darin, Rückseiten zu Vorderseiten zu entwickeln und zur Stadtmauer hin, im architektonischen Sinne, „Gesicht und Gestalt“ zu zeigen. Dabei wurden klare Raumkanten definiert und Freiräume ausgebildet, die dann in einem weiteren Schritt eine inhaltliche und freiräumliche Aufwertung erfahren. Dabei gilt es vor allem auch die Korrespondenz und Spannung zwischen „Weite und Enge“ wiederherzustellen, wie man dies in einer historischen europäischen Stadt erwarten würde. Der Prozess des Nachverdichtens stärkt die Altstadt auf intrinsische Weise von innen heraus, sodass auch die Stadtmauer und deren Freiräume davon profitieren können. Die vorgeschlagenen Baukörper sollen vor allem Raum für Wohnen, Leben und Arbeiten in der Stadt schaffen und somit die Anziehung für die Innenstadt übergeordnet stärken. Zudem werden Öffnungen in der Bebauungsstruktur der Fußgängerzone erschlossen, um wichtige Wegebeziehungen, wie beispielsweise die Zugänglichkeit von der Fußgängerzone zum Rosengarten zu ermöglichen.

    Städtebaulich-freiraumplanerischer Rahmenplan Innenstadt Bergheim
    Städtebaulich-freiraumplanerischer Rahmenplan

    Gestaltung der Stadträume, Führung der Besucher und punktuelle Inszenierung von wichtigen Eingängen in die Altstadt der Kreisstadt Bergheim.

    Durch diese Maßnahmen entsteht im nördlichen Bereich entlang der Stadtmauer eine attraktive, durchgehende Wegverbindung von der Beisselstraße bis zum Aachener Tor. Im Verlauf entstehen durch engere und weitere Passagen spannungsvolle Moment entlang der Stadtmauer und neben einer öffentlichen Wegeverbindung bietet der Raum die Möglichkeit für die Nutzung durch Anlieger als Spiel-und Bewegungsflächen. Durch kleine Platzsituationen und Baumreihen entstehen zudem Kommunikationsräume für Passanten und Besucher entlang der Stadtmauer.Die Erlebbarkeit der Stadtmauer wird dadurch wieder zum festen Bestandteil des Altstadterlebnisses und mit hoher Aufenthalts- und Gestaltqualität verknüpft.

    Klar lesbar und
    intuitiv erlebbar

    Der gesamte Betrachtungsbereich wird in den gekennzeichneten Flächen durch eine einheitliche Pflasterung zusammengeführt und somit für den Besucher lesbar (siehe Lageplan und Belagsdetail). Innerhalb dieser Pflasterung wird ein Leitsystem vorgeschlagen, welches aus einem 1,50 m breiten Plattenband aus hellem Betonstein besteht. Dieses Band empfängt und leitet den Besucher subtil in und durch die Altstadt ohne dabei unangenehm aufdringlich zu wirken. Der Abschluss des Leitsystems, beispielweise im Bereich der Stadteingänge oder Übergängen, wird durch großformatige Bodenplatten mit Prägung oder Aufdruck ausgeführt. Auf den Platten erfolgen einfache Richtungsangaben und historische Informationen zu besonderen Situationen. Die Pflasterung wird kombiniert mit Aufenthaltselementen in einer wiederkehrenden Designsprache im „Bergheimer Blau“. Die Zugänge in die Stadt, werden als Altstadtportale gestalterisch hervorgehoben und fungieren als „Einladungen“ in den Stadtraum. Dies geschieht durch wiederkehrende Elemente in Form von Stelen, Toren oder Gängen aus farbig gestaltetem Metall, ebenfalls im charakteristischem Blau. In dieser Zusammensetzung wird die Altstadt erschlossen und die Abfolgen von steinernen und grünen Freiräumen zu einem sinnhaften Ganzen verknüpft.

    Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Stadträume der Altstadt klar lesbar und intuitiver erlebbar zu machen. Sobald der Besucher sich der Stadtmauer nähert muss das Verlangen geweckt werden, die Stadt zu betreten und der Anspruch erfüllt sein, dass er erkennbar geleitet wird und sich in keinem Fall in unscharfen Stadträndern verliert.  Eine hohe Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität der Freiräume entlang der Stadtmauer wird dabei unumgänglich.

    Vertiefungsbereich
    Rosengarten und
    Wallgraben

    Unser Ansatz, Aufmerksamkeit für diesen vergessenen Ort erzeugen und seine Qualitäten stärken! ⁠⠀

    Der Rosengarten bildet in seiner derzeitigen Form bereits einen atmosphärischen Landschaftsraum in der Innenstadt. Der vorhandene Baumbestand und der ruhige, fast kontemplative Charakter eröffnen einen spannungsvollen Moment. Die Stadtmauer umschließt den Raum und definiert dadurch einen schützenden Rahmen. Die überraschende Lage hinter der Stadtmauer und der Moment des Eintauchens in diesen Ort werden als herausragende Potentiale identifiziert. Auf der anderen Seite bilden diese Stärken zugleich auch die zentralen Schwächen, da aufgrund der Lage im Stadtgefüge eine übergeordnete stadträumliche Anbindung fehlt. Darüber hinaus besteht derzeit keine Erschließung des Freiraumes und es fehlt ganz grundsätzlich an Aufmerksamkeit für diesen besonderen Ort.

    Aufbauend auf diesen Erkenntnissen reagiert der Entwurf in zwei zentralen Punkten auf die Stärken und Schwächen des Ortes, indem der Baumbestand komplett erhalten und die landschaftliche Qualität weiter gestärkt werden und zudem eine neue Aufmerksamkeit und eine neue Erschließung für den Ort vorgeschlagen werden. Die fehlende Verknüpfung von innen auf außen im Rosengarten wird über zwei markante Treppenkonstruktionen als Brückenschläge über die Stadtmauer gelöst. Hierdurch kann die Stadtmauer erstmals aus einem völlig neuen Blickwinkel erlebt werden. Der Moment des Eintauchens in den Rosengarten wird weiter qualifiziert und darüber hinaus sorgen die räumlichen Elemente für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit außerhalb des Rosengartens und wecken die natürliche Neugierde für den Ort. Der gesamte Bereich um den Rosengarten erhält somit, neben der sonst sehr sensiblen und zurückgenommenen Gestaltung, zwei prägnante, identitätsstiftende Merkmale für die Wiedererkennung und Wahrnehmung in der Stadt Bergheim und darüber hinaus.

    Der innenliegende Bereich wird durch eine organische Form erschlossen und mit hochwertigen und besonders bequemen Sitzbänken ergänzt. Innerhalb der Rasen- und Wiesenflächen verteilen sich Hängematten, wodurch die Erlebbarkeit des Ortes auf besondere Weise ermöglicht wird. Der Rosengarten wird über Zugänge zu allen Seiten geöffnet und übergeordnet mit der Stadtstruktur verknüpft. Unterhalb des Baumbestandes entstehen punktuelle Pflanzung bestehend aus Schattenpflanzen und Farnen mit Blattschmuck- und Blütenaspekten. Die organisch geschwungene Wegeverbindung wird durch einen hochwertigen Ortbeton erstellt und schwebt mit 15 cm über der Wiesenfläche. Grundsätzlich thematisiert der Entwurf das Erleben des Ortes durch Spazieren und Verweilen. Der geschwungene Wegeverlauf lenkt den Blick in unterschiedlichen Perspektiven durch den Raum, bequeme Sitzelemente und Hängematten ermöglichen das gemütliche Verweilen.

    Städtebaulich-freiraumplanerischer Rahmenplan Innenstadt Bergheim
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